Ich habe 2021 erlebt, was Starkregen anrichtet – darum dieser offene Brief. Starkregen ist kein „vielleicht“: Was der Bebauungsplan Zillertaler Straße nach dem öffentlichen Treffen gestern klären muss, sind Entwässerung, Rückhalt, Überlastfall und Abflusswege – bevor Baurecht geschaffen wird. Gleichzeitig darf die Zillertaler Straße nicht zum Nadelöhr werden: Lieferverkehr, Rettungsweg und Gäste müssen verlässlich durchkommen.
Haus Zillertal & die Zillertaler Straße: Es geht um die Lebensader ins Gelpetal – und die braucht Schutz, klare Regeln und eine saubere Baulogistik.
Ich unterstütze die Schaffung von Wohnraum grundsätzlich – wenn dabei die Erreichbarkeit gesichert ist und Starkregenrisiken fachlich belastbar gelöst werden.
Hier sind meine 5 konkreten Forderungen – konstruktiv, aber verbindlich.
Für den Bereich an der Zillertaler Straße soll durch einen Bebauungsplan (und die entsprechende Anpassung des Flächennutzungsplans) Planungsrecht geschaffen werden. Das ist ein politischer Prozess mit formaler Öffentlichkeitsbeteiligung – und genau davon mache ich Gebrauch.
Ich betreibe das Cafė-Restaurant Haus Zillertal im Zillertal, dem unteren Gelpetal. Die Zillertaler Straße ist für uns nicht „nice to have“, sondern zentrale Infrastruktur.
Und diese Straße ist oft auch ohne Baustellenszenario beidseitig eh bereits deutlich von parkenden Autos massiv verengt. Das ist ausdrücklich kein Vorwurf an meine Nachbarn, nur Feststellung im Sinne wenn da nun zukünftig noch Baustellenverkehr und Sperrungen zukommen.
Aber wie und warum ist die Zillertaler Straße für uns so relevant:
Ohne eine funktionierende Zillertaler Straße können und müssen wir dicht machen. Und das meine ich wortwörtlich! Nach den ganzen Corona-Jahren und den darauf folgenden letzten Jahren mit der enormen Gästezurückhaltung durch die Kaufkraftverluste können wir uns ein Nadelöhr an der Zillertaler Straße schlicht nicht mehr leisten.
Und dann ist da noch ein Punkt, der für mich nicht theoretisch ist: Starkregen. Wir waren 2021 vom großen Starkregenereignis stark betroffen. Wer das erlebt hat, weiß: Es geht nicht um ein bisschen Regen, sondern um reale Schäden, Risiken und lange Nachwirkungen – bis heute sind die Schäden vor meinem Haus noch für jeden sichtbar. Und alles was oben auf der Zillertaler Straße regnet, kommt früher oder später bei mir vor der Tür ganz konkret als Wasser an.
Darum ist für mich klar: Wenn in sensiblen Lagen gebaut und versiegelt wird, braucht es vorher belastbare Konzepte – nicht erst „wenn es dann soweit ist“.
Für das Gelpetal ist die Zillertaler Straße keine Nebenstraße, sondern zentrale Infrastruktur. Ich fordere deshalb verbindlich, dass es während der Erschließung und Bauphase keine Vollsperrung gibt und die Straße jederzeit befahrbar bleibt – ausdrücklich auch für Liefer-LKW, Reisebusse, Dienstleister und Rettungsfahrzeuge. Für Gäste, Mitarbeiter und uns Anwohner natürlich sowieso. Wenn es punktuell Engstellen geben sollte, müssen diese so organisiert werden, dass die Durchfahrt zuverlässig möglich bleibt.
„Das wird schon“ bzw.. das klare mündliche Statement vom Bauherren gestern auf der Versammlung (dafür trotzdem erstmal Danke) reicht mir nicht. Ich hätte es gerne etwas verbindlicher als diese mündliche Aussage. Bevor politisch weiter entschieden wird, braucht es ein Baulogistik- und Verkehrsführungskonzept, das nachvollziehbar zeigt, wie die Bauphase organisiert wird: Bauabschnitte, typische Anlieferungen, Zeitfenster, Regelungen für Begegnungsverkehr und Engstellen – und vor allem eine klare Zuständigkeit mit Ansprechpartner und Eskalationsweg. Damit es im Alltag nicht erst dann auffällt, wenn schon alles steht.
Aus Erfahrung weiß ich: Starkregen lässt sich nicht wegdiskutieren. Darum muss vor Baurecht ein belastbares Entwässerungs- und Starkregenkonzept vorliegen – mit Rückhalt und Versickerung, aber eben auch mit der entscheidenden Frage: Was passiert im Überlastfall? Wo läuft das Wasser entlang, wenn es mehr ist als geplant, und wie werden Schäden für Unterlieger verhindert? Dazu gehört auch, dass Verantwortlichkeiten und Wartung so geregelt sind, dass die Systeme langfristig funktionieren – nicht nur am Tag der Abnahme.
Gerade weil Starkregen und Entwässerung so sensibel sind, fordere ich, dass die Untere Wasserbehörde in die Bewertung verbindlich eingebunden wird und ihre Stellungnahme Teil der Abwägung ist. Zusätzlich sollte es einen fachlichen Abgleich mit den zuständigen Akteuren geben (z. B. auch Wupperverband), damit hier nicht nur „gefühlt“, sondern nachweisbar richtig entschieden wird.
Wenn gebaut wird, muss das Umfeld nicht zur Steinwüste werden. Ich fordere verbindliche Regeln für Grün- und Randgestaltung: Pflanzgebote, Schutz bestehender Bäume (inklusive sauberem Baumschutz während der Bauphase) und eine Gestaltung, die das Landschaftsbild respektiert. Wichtig ist mir dabei nicht nur, was im Plan steht, sondern was am Ende wirklich umgesetzt wird – mit Abnahme, Nachpflanzpflicht und klarer Verantwortlichkeit.
Kurz gesagt: Wohnraum ja. Sehr gerne. Aber nur, wenn Zufahrt und Starkregenrisiken verbindlich gelöst sind und die Maßnahmen im Alltag auch tatsächlich funktionieren.
Ich will keinen Kampf um jeden Stein und keine Blockade. Ich will, dass Wohnraum entstehen kann, ohne dass bestehende Infrastruktur und Betriebe wie unserer gefährdet werden – und ohne dass Starkregenrisiken für uns Betroffene wegmoderiert werden.
Das Thema Hochwasser/Starkregen habe ich bereits öffentlich adressiert; daraus entstand ein Vor-Ort-Termin mit politischer Vertretung und Fachbehörden. Das zeigt: Es geht nicht um Theorie, sondern um reale Risiken – und um die Pflicht, daraus zu lernen.
Bei allen Emotionen, die ich verstehe und die ich auch habe: Ich war auf dem Treffen gestern bei einigen Wortmeldungen über den teilweise angelegten Ton und offene Feindseligkeit ehrlich irritiert. Ich bin der Überzeugung, dass uns solche Töne alle nicht weiterbringen. Uns als Anwohner nicht. Die Stadt als Verwaltung nicht. Und den Bauherren auch nicht. Und die Politiker, die für uns alle da sind, auch nicht.
Darüber hinaus sollten wir froh sein, das es noch Menschen gibt, die überhaupt noch investieren und ins Risiko gehen wollen. Natürlich geht es auch ums Geld. Ist doch klar. Und natürlich soll und muss ein Risiko, was jedes Bauvorhaben immer ist, auch belohnt werden. Aber was hätten wir bitte bei einer kompletten Verhinderung denn gewonnen? Im Zweifel Verfall und eine nicht genutzte gewerbliche Bauruine die vor sich hinrottet und verfällt? Ist es das was einige vor Ihrer Tür wirklich im Blick wollen? Ernsthaft?
Und: Stillstand haben wir in Deutschland, die Götter wissen es auch, wirklich schon genug auf allen Ebenen. Ich schreibe dies deshalb auch im Kontext all der über bürokratischen Vorschriften, der Überregulierungen in allen Bereichen, die auch ich in meinen verschiedenen Unternehmungen (Gastronomie und IT gleichermassen) täglich massiv, ganz konkret und nervend erfahre.
Von daher möchte ich abschließend nochmal betonen, dass ich dem Bauherrn keine noch weiteren Steine in den Weg legen möchte – aber ich umgekehrt natürlich auch meine Punkte adressieren muss. Da eben auch hier Erfahrung vorliegt und die genannten Punkte für mein Umfeld extentielle Punkte sind. Ich stehe auch dem Bauherren jederzeit für konstruktive und sachliche Gespräche zur Verfügung und freue mich dahingehend auch über Kontktinformationen.
Deshalb: Wenn Sie betroffen sind oder Sie das Thema interessiert: Nutzen Sie die Beteiligungsfristen und Möglichkeiten. Sachliche Hinweise und konkrete Vorschläge bringen uns alle weiter. Und auch Wünsche darf man äußern , manchmal werden Sie auch erfüllt. Also – auf geht‘s.
Danke für Ihre Aufmerksamkeit und Unterstützung.
Lea Victoria Rücker, Inhaberin Haus-Zillertal